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Artikel Oberhessische Presse vom 21.09.2015

 

Bioenergiestadt

Nahwärme gibt‘s erst ab November

 

Das Rauschenberger Nahwärmenetz wächst über und unter der Erde seiner Vollendung entgegen. Ihr ehrgeiziges Fertigstellungsziel wird die Nahwärme-Genossenschaft jedoch nicht einhalten können.

 

Noch sind längst nicht alle Nahwärmeleitungen in Rauschenberg verbaut, wie ein Blick auf das Materiallager für das Nahwärmenetz am Festplatz zeigt.                         © Matthias Mayer

 

Rauschenberg. „Wir versuchen, dass wir im Novemberg Nahwärme liefern können“, sagte Vorstandsmitglied Helmut Schmid auf Anfrage der OP. Der ursprüngliche Zeitplan sah eine Inbetriebnahme des zehneinhalb Kilometer langen Nahwärmenetzes mit rund 160 Hausanschlüssen bereits für den Oktober vor. „Dieser Termin ließ sich nicht halten. Unter der Straßendecke traten zum Teil unvorhersehbare Probleme auf, und die Baukolonnen kamen nicht so schnell voran, wie gedacht“, erklärt Helmut Schmid, der Rauschenbergers Weg zu ersten echten deutschen Bioenergiestadt von der ersten Stunde an begleitet hat.

 

Probleme mit den „Einpackern“

 

Wie schon zuvor im ersten Rauschenberger Bioenergiedorf Josbach gab es auch in der Kernstadt gelegentlich Probleme mit den sogenannten „Einpackern“. Das sind Mitarbeiter von Subunternehmen, die an den vielen Abzweigen der Nahwärmetrasse aufwendige Detailarbeiten ausführen. Diese seien nicht immer pünktlich zur Stelle gewesen. Die Folge: Einige Gräben seien ungewöhnlich lang offen geblieben, erläutert Helmut Schmid, der von einer für Projekte dieser Größenordnung üblichen Verzögerung sprach.

 

Gespeist wird das Nahwärmenetz von der Biogasanlage der Fiddemühle. Die knapp zwei Kilometer lange Zuleitung von der Fiddemühle bis zur Stadtgrenze soll in rund eineinhalb Wochen fertig sein. Am Gemeinschaftshaus Kratz‘sche Scheune wurde ein 40000 Liter Heizöl fassender Erdtank eingegraben. Dieser wird den Spitzenlastkessel speisen, der im Oktober in das bereits fast fertige Gebäude der Heizzentrale eingebaut wird. In dem Zweckbau findet sich dann auch die elektronische Steuerung für das ganze System.

 

„Anfang November wird das Nahwärmenetz befüllt, und dann kann‘s für alle Haushalte losgehen, deren Hausanschlüsse bereits installiert sind“, sagt Helmut Schmid. Er räumt jedoch ein, dass dies zunächst nur für Rauschenbergs sogenanntes „alte Neubaugebiet“ gilt. Helmut Schmid nennt die Straßen Am Galgenberg, Berliner Straße, Albert-Schweitzer-Straße, Robert-Koch-Straße, Westender Straße, die Dresdener Straße sowie den unteren Teil der Bahnhofstraße.

 

Auswertung der Fragebögen vor Abschluss

 

Der erste Bauabschnitt zieht sich weit hoch in die Altstadt hinein bis zur Alten Schule. Wann die dort wohnenden Genossenschafsmitglieder ans Netz angeschlossen werden können, lässt sich laut Helmut Schmidt derzeit nicht genau vorhersagen. Eine entscheidende Rolle spielten die Witterungsbedingungen bis zum Jahresende.

 

Ganz sicher ist schon heute, dass im kommenden Jahr der zweite Bauabschnitt verwirklicht wird, der bis rauf zum Festplatz reicht, auf dem ein Holzhackschnitzel-Heizkessel entstehen wird.

 

Die Auswertung der Fragebögen im Nachklang zur einer Info-Veranstaltung für den zweiten Bauabschnitt sei in ein bis zwei Wochen abgeschlossen. Dann beginne der Vorstand mit der intensiven Beratung der interessierten Anlieger, kündigt Helmut Schmid an.

 

von Matthias Mayer

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